Ein Auto auf der Chinesischen Mauer Wie Citroën 1986 mit dem Modell AX Werbegeschichte schrieb Ein Auto auf der Chinesischen Mauer Wie Citroën 1986 mit dem Modell AX Werbegeschichte schrieb

Ein Auto auf der Chinesischen Mauer: Wie Citroën 1986 mit dem Modell AX Werbegeschichte schrieb

Peking, Sommer 1986. Ein französisches Filmteam, ein Kleinwagen aus der Stadt Aulnay-sous-Bois und ein Bauwerk, das seit über zweitausend Jahren keine Automobile kannte. Citroën bewies mit einer einzigen Kampagne, dass gute Werbung manchmal einfach eine gute Idee braucht und die Geduld, drei Monate auf ein „Ja“ zu warten.

Es begann, wie viele gute Geschichten beginnen, mit einem Problem. Citroën hatte einen neuen Kleinwagen, das Modell Citroën AX, und die undankbare Aufgabe, es als Nachfolger der legendären Ente zu verkaufen. Ein Auto, das in Frankreich zum Nationalheiligtum geworden war. Ein neues Modell reichte dafür nicht einfach. Es brauchte ein Bild, das blieb.

Ein neues Modell reichte dafür nicht einfach. Es brauchte ein Bild, das blieb.

Die Marketingabteilung entschied sich für eine Kulisse, die selbst für ein Land mit einer gewissen Neigung zu Erhabenheit gewagt war. Die Chinesische Mauer. Regie führte Raymond Depardon, ein Name, der in Frankreich für Fotografie und Dokumentarfilme stand, aber nicht für Autowerbung. Budget, drei Millionen Francs. 1986 eine Summe, die man in der Branche zur damaligen Zeit nicht ohne Grund als „gewaltig“ bezeichnete.

Die erste Hürde war nicht die Mauer, sondern die Bürokratie

China öffnete sich in diesen Jahren gerade erst, vorsichtig, für Besucher aus dem Westen. Die Vorstellung, ein ausländisches Auto auf dem nationalen Wahrzeichen fahren zu lassen, löste bei den zuständigen Behörden zunächst wenig Begeisterung aus. Drei Monate dauerten die Gespräche, bis ein Team aus Paris tatsächlich mit Kameras und einem kleinen roten Auto auf der Mauer stehen durfte.

Ein neues Modell reichte dafür nicht einfach. Es brauchte ein Bild, das blieb.

Am Ende der Verhandlungen. Eine Genehmigung und wie sich zeigen sollte, ebenso ein gewisser Stolz auf chinesischer Seite. Der Citroën AX wurde somit das erste Automobil, das je auf der Chinesischen Mauer stand.

Weniger Werbedreh als Expedition

Ausgesucht wurde ein Abschnitt der Mauer mit über 70 Prozent Steigung und einer besonderen fotogenen Schroffheit. Die Fahrzeuge selbst kamen nicht unter eigener Kraft dorthin, sie wurden über improvisierte Bambusgerüste hinaufgehievt, Stück für Stück, mit menschlicher Muskelkraft.

Stück für Stück, mit menschlicher Muskelkraft.

Am Steuer des Citroën AX. Eine junge Frau, die im fertigen Film scheinbar mühelos über das historische Kopfsteinpflaster glitt. Die Pointe, die man sich in Citroën-Kreisen bis heute erzählt. Sie besaß zum Zeitpunkt der Aufnahmen keinen Führerschein. Um dennoch den Eindruck von Tempo zu erzeugen, griff das Team zu einem alten Kameratrick und drehte mit nur zwölf Bildern pro Sekunde statt der üblichen Bildrate. Die Mauer verschwamm, das Auto wirkte schnell. Niemand im Kino ahnte etwas von der Übertreibung dahinter.

Révolutionnaire. Ein Bild, das blieb

Die fertige Kampagne trug einen einzigen, selbstbewussten Titel „Révolutionnaire“. Auf den Plakaten dazu. Ein asiatisches Kind in Uniform, das den kleinen Franzosen wie einen Botschafter präsentierte. Ein Bild, das internationale Fachmagazine dankbar aufgriffen und welche noch Jahrzehnte später als eine der kühnsten Kampagnen der Automobilgeschichte zitiert wurde.

Révolutionnaire. Ein Bild, das blieb

Am 2. Oktober 1986, wenige Wochen nach den Dreharbeiten, stand der Citroën AX dann ganz konventionell auf dem Pariser Autosalon. Die offizielle Weltpremiere. Entworfen von dem italienischen Automobildesigner Giuseppe „Nuccio“ Bertone. 3,50 Meter kurz.


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Rückkehr nach China

Die Geschichte endete nicht auf der Mauer. Zwei Jahre später, 1988, schickte Citroën im Rahmen der „Opération Dragon“ 140 junge Europäer auf eine 4.500 Kilometer lange Fahrt von Shenzhen im Süden Chinas in die Hauptstadt Peking. Wieder im Citroën AX, wieder mit voller Medienbegleitung. Es war, im Rückblick, weniger Zufall als Fortsetzung. Ein Vorspiel zur späteren Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng.

Citroën im Rahmen der „Opération Dragon“

Bis zum Produktionsende 1998 verließ der Citroën AX in 2,57 Millionen Exemplaren die Fabrikhallen von Aulnay-sous-Bois. Damit war der AX nach der Ente der meistgebaute Citroën aller Zeiten. Der Wagen selbst geriet mit den Jahren weitgehend in Vergessenheit, überstrahlt von glamouröseren Geschwistern wie CX und 2CV.

Die Bilder von der Chinesischen Mauer aber blieben. Manchmal ist es nicht das Produkt, das die Geschichte schrieb. Sondern die Kulisse, vor der man es zeigt.


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Weiterführende Informationen

Citroën AX – der erste französische Werbestar auf der Chinesischen Mauer Quelle: STELLANTIS

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