Zhongshuge. Eine Buchhandlung wie ein Labyrinth Zhongshuge. Eine Buchhandlung wie ein Labyrinth

Fünf außergewöhnliche Buchhandlungen in Peking. Wo Literatur, Architektur und Stadtleben verschmelzen.

Während Millionen Besucher jedes Jahr zur Verbotenen Stadt, auf den Tian`anmen-Platz oder zur Chinesischen Mauer strömen, entdecken immer mehr Einheimische und Reisende eine andere Seite der chinesischen Hauptstadt. Moderne Buchhandlungen haben sich in den vergangenen Jahren zu kulturellen Treffpunkten entwickelt. Orte zum Lesen, Arbeiten und Austauschen, an denen Architektur und Literatur eine außergewöhnliche Verbindung eingehen.

Viele dieser Häuser sind weit mehr als klassische Buchläden. Sie befinden sich in ehemaligen Fabrikhallen, historischen Kirchen oder modernen Designgebäuden und zeigen, wie kreativ sich Peking zwischen Tradition und Gegenwart entwickelt. Wer die Stadt abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten erleben möchte, sollte diesen fünf besonderen Adressen einen Besuch abstatten.

1. Xiyuetang. Vom Industriegebäude zum Kulturzentrum

Nur wenige Minuten vom Central Business District entfernt erinnert heute kaum noch etwas daran, dass sich hier einst eine verlassene Fabrik befand. Auf rund 4.000 Quadratmetern entstand mit Xiyuetang eines der eindrucksvollsten Kulturzentren der Stadt.

Xiyuetang
Xiyuetang

Großzügige Fensterfronten sorgen für viel Tageslicht, während offene Lesebereiche zwischen meterhohen Bücherregalen zum Verweilen einladen. Das architektonische Herzstück bildet eine elegante Wendeltreppe, deren integrierte Beleuchtung den Raum besonders am Abend in eine fast futuristische Atmosphäre taucht.

Regelmäßig finden hier Lesungen, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen statt. Für viele Pekinger ist Xiyuetang längst mehr als eine Buchhandlung – vielmehr ein Ort, an dem Arbeit, Freizeit und Kultur miteinander verschmelzen.

Tipp: Besonders am frühen Nachmittag fällt das Sonnenlicht spektakulär durch die großen Fenster und sorgt für eindrucksvolle Fotomotive.

2. Zhongshuge – Eine Buchhandlung wie ein Labyrinth

Kaum eine chinesische Buchhandelskette hat in den vergangenen Jahren international so viel Aufmerksamkeit erhalten wie Zhongshuge. Die Filialen sind weniger wegen ihres Sortiments als vielmehr wegen ihrer außergewöhnlichen Innenarchitektur bekannt.

Zhongshuge. Eine Buchhandlung wie ein Labyrinth
Zhongshuge Filiale in Peking

Auch der Standort im Pekinger Stadtteil Xidan wirkt wie eine begehbare Kunstinstallation. Bücherregale reichen bis unter die Decke, Spiegel erzeugen scheinbar endlose Gänge und geschwungene Formen lassen die Grenzen zwischen Raum und Regal verschwimmen.

Neben der beeindruckenden Architektur bietet die Buchhandlung großzügige Bereiche für Familien sowie gemütliche Cafés. Wer sich Zeit nimmt, kann problemlos mehrere Stunden zwischen Designbüchern, Romanen und chinesischer Literatur verbringen.

3. Mofanshuju – Lesen unter historischen Gewölben

Nur wenige Buchhandlungen verbinden Geschichte und Gegenwart so eindrucksvoll wie Mofanshuju. Das Gebäude war ursprünglich eine anglikanische Kirche und zählt zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten Nordchinas.

Nach einer aufwendigen Restaurierung blieb die historische Architektur nahezu vollständig erhalten. Hohe Holzgewölbe, farbige Fenster und die ursprünglichen Kuppeln bilden heute den Rahmen für moderne Bücherregale und ruhige Lesebereiche.

Mofanshuju – Lesen unter historischen Gewölben

Das Ergebnis wirkt weder wie eine Kirche noch wie eine klassische Buchhandlung – vielmehr entsteht ein besonderer Raum, der zum Entschleunigen einlädt.

Gerade an Wochenenden kommen viele Besucher nicht nur wegen der Bücher, sondern auch, um die außergewöhnliche Architektur zu erleben.

4. Quanmin Changdu – Ein Wohnzimmer für Pekings Kulturszene

Mitten im Langyuan Park, unweit der U-Bahn-Station Babaoshan, befindet sich eine Buchhandlung, die sich bewusst als offener Begegnungsort versteht. Quanmin Changdu kombiniert Literatur mit Gastronomie, Design und Veranstaltungen. Filmabende, Kaffeeverkostungen, kleine Konzerte und Lesungen gehören ebenso zum Programm wie Ausstellungen lokaler Künstler.

Besonders charakteristisch ist das große Glasdach, das den Innenraum mit natürlichem Licht durchflutet. Kleine Nischen, Sofas und ruhige Arbeitsbereiche machen den Laden zu einem beliebten Rückzugsort für Studierende, Kreative und Freiberufler. Wer einen authentischen Einblick in das moderne Stadtleben Pekings gewinnen möchte, findet hier einen der interessantesten Treffpunkte der Hauptstadt.

5. The Gateway – Bücher zwischen Geschichte und Pagode

Auf den ersten Blick wirkt The Gateway, auch als Zhengyang Bookstore bekannt, eher unscheinbar. Doch hinter den Regalen verbirgt sich ein Stück Pekinger Stadtgeschichte.

Die Buchhandlung hat sich auf Literatur über die Entwicklung der Hauptstadt spezialisiert und verfügt über zahlreiche historische Publikationen, die andernorts nur schwer zu finden sind.

Im Innenhof erhebt sich zudem die über 800 Jahre alte Pagode des Mönchs Wansong aus der Yuan-Dynastie. Damit verbindet kaum ein anderer Ort in Peking Literatur und Geschichte auf vergleichbare Weise. Wer sich für die Vergangenheit der chinesischen Hauptstadt interessiert, sollte genügend Zeit für einen Besuch einplanen.

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