Kurztrip nach Hangzhou im März 2026. Ein persönlicher Erfahrungsbericht. Kurztrip nach Hangzhou im März 2026. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Kurztrip nach Hangzhou im März 2026. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Olaf Schulze, Erfurt 21.03.2026

Nach zwei Geschäftsreisen, 2002 in Shanghai, Guangzhou und Hongkong, und 2016 in Dongguan und Shanghai ging es vom 06.03. bis 14.03.2026 erstmals als Tourist nach Hangzhou. Warum Hangzhou?: Die Tochter des mitreisenden besten Freundes studiert dort für zwei Semester an der Zheijang Universität.

Vorbereitung und Anreise

Mit zwei meiner Söhne (22, 28) und meinem besten Freund ging es auf Männertour. Der Flug und die Einreise waren wie erwartet kein Problem, im Gegenteil.

Noch zu Hause hatten wir die Alipay-App geladen und natürlich das E-Visa gebucht. Ich hatte zuvor bei meiner Hausbank noch Yüan bestellt, so ganz ohne Cash wollte ich nicht in ein fernes Land fahren. Das hatte aber zeitlich nicht geklappt, also Yüan bestellt und wieder abgestellt.

Das war ein Glück, denn in China benötigt man nur die App mit hinterlegter Kreditkarte. Jede Bezahlung, ob Metro, Bus, Restaurant oder fliegender Händler, alles geht im Ergebnis nur bargeldlos. Also gilt, lieber auf den Akkuzustand des Smartphones zu achten, das ist wichtiger.

Ab München ging es mit Lufthansa nach Beijing, dann weiter mit Air China nach Hangzhou. Die Einreise erfolgte zügig und leise. Schnell wurden weitere Check-In-Schalter aufgemacht und die Fluggäste abgefertigt, die Finger und das Gesicht gescannt, eingereist. Schon am Flughafen viel auf, dass alles sehr sauber und ruhig zuging. Wir mussten den Terminal wechseln.

Zum Glück wurden wir auf unser nicht vorhandenes Gepäck angesprochen, denn das musste auf dem Hinflug von einem Gepäckband geholt und dann nach Hangzhou erneut eingecheckt werden. Schon bei diesem zweiten Check’in für den Inlandsflug wurde es lustig, weil eine ebenfalls eincheckende Chinesin vormals in Nürnberg lebte, und deren fränkischer Akzent war nicht zu leugnen.

In Hangzhou liefen wir zur Pick Up Zone, buchten mit Alipay ein EV-Taxi, und wurden zügig für 110 Yüan die 40 km zum Wyndham-Hotel, für deutsche Preise mit einer angemessenen vorgebuchten Hotel-Rate, direkt an den West-Lake gebracht.

Der erste Eindruck

In Hangzhou leben mehr als 5 Mio. Menschen, der Verkehr war entsprechend zähflüssig. Aber wir wurde entschädigt, denn gleich nach dem Hotel Check-in ging es um die Ecke über den Nachtmarkt mit vielen flanierenden Menschen spazieren.

Hangzhou by Night

Was als Erstes überrascht aber eigentlich nicht überraschend sein sollte: Es gibt viele Menschen, aber offensichtlich nur fröhliche Gesichter, viele junge Menschen, kein Gedränge, man wird nicht angerempelt, aber natürlich von den Händlern angesprochen, die ihre Produkte bewerben. Die Fröhlichkeit und Heiterkeit steckt an.

Was sogleich auffiel. Es ist überall sauber, kaum der bei uns mittlerweile überall beklagte Schmutz, nirgends leere Flaschen und selten Plaste oder Papier, und man sieht viele Leute, die sich auch darum kümmern, dass es so bleibt. Allerdings wird auffällig viel geraucht, diese Zeiten scheinen bei uns vorbei.

Kurztrip nach Hangzhou im März 2026. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Essen kann man wirklich an jeder Ecke, entweder in kleinen Einzelrestaurants oder in den zahlreichen Märkten und Department-Stores. Ein wenig kam ich mir vor wie in einer Mischung aus unseren Karstadt’s und Kaufhof‘s in den 90ern und in einer USA-Mall zugleich: Viele Geschäfte, viele Marken, viele Restaurants mit vielen Gästen. Den ersten Abend verbrachten wir noch am West-Lake und bewunderten das viele Licht auf den Hügeln am Horizont der anderen Seeseite.

Der West Lake – District

Den nächsten Tag ging es auf Tour. Eigentlich dürften es täglich mehr als 20 km gewesen sein, die wir per Fuß zurücklegten. Wir spazierten am Ufer des West- Lake’s, dem Erholungsgebiet schlechthin, viele Boote, Pagoden und Tempel an allen Seeseiten, viele Menschen, und erfreuten uns der vielen Stände, Geschäfte, Menschen, aber auch der vielen kleinen Denkmäler, für Marco Polo, am Monument für die Märtyrer der 88. Division der Chinesischen Armee im Krieg gegen die Japanische Okkupation von 1935, und für die Freiwilligen Chinesischen Kämpfer im Koreakrieg 1954.

Das zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch Hangzhou: Es gibt für jede Epoche für uns bis dahin unbekannten Kaisern, über Kämpfe bis zur Revolution und bis zum Heute interessante Tafeln, Denkmale und Plastiken, auch, da war ich überrascht, etwa eine Tafel über das Haus von Chiang Kai Check.

Was dabei auch erstaunte war der Umstand, dass wir kaum chinesische Flaggen sahen. Ab und an war eine Flagge an einem wohl staatlichen Gebäude zu sehen oder auf einem Polizeiboot auf dem Großen Kanal. Wer also erwartet, positiv oder negativ, die Symbole der Kommunistischen Partei oder was immer zu finden, wird jedenfalls in Hangzhou nicht viel finden. Unser Hotel befand sich dann vis a vis der Mao Tse Tung Schule, ohne jedes TamTam.

West Lake
West Lake

Am Ufer des West- Lake‘s ist abends 19.30 Uhr ein farbenprächtiges Fontänenspiel mit musikalischer Untermalung zu erleben, ein Muss. Die Polizei, die wirklich überall präsent aber nicht dominant ist, sperrt mit Rollgittern den Zugang zum See ab, das Gedränge wird eingedämmt, am See wird plötzlich ein Checkpoint für die Besucher aufgebaut, Scanner-Kontrolle und sogar ein mobiler Hochsitz wird vorgefahren, auf dem ein Polizist steht, und den Fußgängerverkehr überwacht. Als Tourist stellt man sogleich fest, dass es wirklich viele Uniformen der Polizei gibt, ob das immer Polizei ist, erkennt man so schnell nicht. Aber irgendwie ist immer jemand da, der aber auch auf seinem Smartphone dingelt. Es gibt viele Kameras, nach wenigen Tagen guckt man da gar nicht mehr hin. Ein Mal flog in der Fußgängerzone eine Drohne.

Und irgendwann ist man fast froh zu sehen, dass die Polizei einen flotten Auto- oder Mopedfahrer aus dem Verkehr zieht, die machen dort auch nur ihren Job.

Die Wanderung von 13 km um den Westlake ist ereignisreich, einfach toll. Man durchquert eigentlich, von der City zum See laufend, viele kleine niedliche Parks. Man sieht viele Leute, die Sport machen, lustige Karaoke-Einsätze, Tai Chi Experten, und was für uns wirklich auffallend war, regelmäßig stehen öffentliche Toiletten. Ja klar, wenn die Gegend sauber gehalten werden soll, dann ist das nur folgerichtig, es gibt genug und alles ist sauber und angemessen. Das vermissen wir bei uns des Öfteren.

Wanderung um den Westlake

Irgendwann ist dann die obligatorische Teatime, überall, auch im Restaurant wird man angelächelt. Englisch hilft aber bringt nicht viel, mein Chinesisch reduziert sich bislang auf Höflichkeiten, aber mit einem Mobil- Translater und Zeichensprache kommt man nicht nur weit, sondern immer ans Ziel. Der Tee war auch für deutsche Verhältnisse teuer, aber ich hatte neben vier Tee auch gleich Früchteteller mitbestellt, aha.

Dann passte der Preis. So erlebt man manchmal Überraschungen. Alles war lecker, und lustig war hier, dass einige Passanten fragten, ob sie ein Foto von uns machen können. Entweder weil wir anders aussehen von Physiognomie bis Körpergröße, oder weil wir uns im Detail manchmal auch beim Essen als Anfänger outeten.

Den dritten Tag war ich in Jiaxing halb beruflich unterwegs und besuchte eine Dark-Factory für PV-Panele und Batteriespeicher. Aber am Abend waren wir wieder in Hangzhou und gingen auf Empfehlung in einen Pub. Das war nett und besonders war der Zugang. Denn das hätten wir alleine nie gefunden und wenn, dann hätten wir nie vermutet, dass hinter der Fassade und Fahrstuhl eine urige Bar kommt. Und dienstags war Rätselraten, vier Gruppen, wir waren die Top Gun, blieben allerdings bei den sehr internationalen Fragen hinter unseren Erwartungen. Das war eher eine internationale als nationale Community, und sehr lustig.

Kein Urlaub ohne Goethe

Den Mittwoch ging es durch Hangzhou bis zum Bahnhof, ein imposantes Gebäude, vorbei an Alt-Hangzhou, auch das gibt es, Gassen, keine drei Meter breit. Aber der Hammer war, in Bahnhofsnähe gibt es das „Goethe“-Hotel. Alles Fragen an der Rezeption nutzte nichts, auch im Foyer gab es keine Hinweise auf den Meister, warum „Goethe“. Meine These ist, und derzeit läuft noch meine Anfrage bei Worldhotels.com, dass der Eigentümer des Hotels entweder in Deutschland studierte oder viel Goethe gelesen hat und aus Begeisterung sein Hotel nach ihm benannte.

Goethe Hotel

Vielleicht ist es die Verbindung von Goethe und Gingko- Bäumen, die es in Hangzhou sehr zahlreich gibt.

Auf den vorherigen Dienstreisen war mir es gar nicht so aufgefallen, aber dieses Mal schien mir unsere Herkunft aus Deutschland immer besonders positiv reflektiert, ja Deutschland hat offensichtlich einen sehr guten Ruf in China. Und an Hand eines besonderen Zitats, das mir zu Teil wurde, war ich sicher, dass der Bundeskanzler bei seinem Besuch im Februar 2026 und seiner Erwähnung von Schillers Sprüche des Konfuzius für unsere Völkerverständigung einen großen Beitrag leistete.

Wir hatten Gelegenheit, in China über Fontane’s Effi Briest zu diskutieren. Mit Freude beschrieb ich einem interessierten Gesprächspartner, dass Jean- Michel Jarre 1981 als erster westlicher Musiker seine „Concerts in China“ gab – er lebt zwar in Frankreich, aber aus der Ferne sind Leipzig und Lyon irgendwo im Westen und ich bin mit Jarre’s Musik aufgewachsen. Und ein besonderer Teil der modernen Geschichte China’s, so konnte ich weitergeben, wurde in Harry Thürk’s „Taifun“ über die Annäherung der USA zu China in den drei Bänden verarbeitet. Und Thürk lebte in Weimar, wie Goethe und Schiller. Kultur verbindet!

Ohne Sport geht in China nichts

Sport genauso. Auffällig war, etwa am Großen Kanal bzw. Kaiserkanal und dessen Abzweigungen, dass es nicht nur viel Grün und erstaunlich große Erholungsfreiräume gab, sondern auch öffentliche Sportanlagen für Gymnastik, Kraft, Tischtennis, Basketball. Jetzt waren wir es, die viele Fotos machten, und kamen schnell in Kontakt mit den zu der Tageszeit eher älteren Menschen.

Kaiser Kanal
Kaiser Kanal

Ein älterer Mann zeigte uns strahlend und flott seine mindestens 20 Beugestütze, die wir applaudierten und im Wettstreit schnell merkten, dass wir noch viel trainieren sollten, um mitzuhalten. Wenn man nur halbwegs aufmerksam durch die Straßen geht fällt sofort auf, das Sport und Fitness den Tagesablauf prägt. U.a. bestaunten wir die Choreographie von tanzenden, auch eher älteren Männern.

Ein Sohn ist an einem Tag um den West-Lake gejoggt. Okay, das ist schwierig bei den vielen Gästen und Menschen, vielleicht war er zur falschen Zeit aber es ist möglich, und ab und an sieht man einen Jogger. Mir scheint, dass dieser Freizeitsport bei uns verbreiteter ist. Aber im Fitnessstudio unseres Hotels gab es immer Betrieb, nicht nur durch uns.

Dabei diskutierten wir untereinander auch Dinge die uns bewegen. Sport verbindet, aber vor den Olympischen Spielen 2022 in Beijing wurde ein Olympia-Boykott auch bei uns diskutiert, jetzt gab es Scharfmacher, welche die Fußball-WM 2026 in den USA boykottieren wollten. Sport verbindet und trennt nicht, Sportler sind Diplomaten im Trainingsanzug, üblicherweise keine Soldaten.

Tempel, Pagoden, Off-site im Wald

Den Donnerstag ging es off-site wandern durch die Hügel des Westlake‘s zur Boachu Pagode mit toller Sicht über den Lake, und am Ende mit dem Bus in ein Waldgebiet und wir besuchten den Faijing- Temple. Der wohl bedeutendere Lingyin- Tempel, der uns anempfohlen wurde, ging nur mit Voranmeldung für den nächsten Tag zu besichtigen. Schade, aber wenn es in China Regeln gibt, dann nützt auch Betteln für eine Ausländer- Ausnahme nichts, ohne Anmeldung kein Zutritt.

Pagode am West Lake

Ganz nebenbei, Bus- und Metro- Fahren kosten ca. 30 ct, und bei der Metro gibt es eine Gepäck- und Rucksackkontrolle wie am Flughafen. Apropos Kontrolle: Wir wollten eigentlich auch den Campus der Zheijang Universität unserer Studentin besichtigen, aber auch war ohne Anmeldung nicht möglich. Das hatte uns hier nicht gestört, könnte aber auf die Dauer viele Erlebnisse limitieren.

Dafür konnten wir in der Nähe in einem Restaurant gemeinsam mit deren sudanesischen Kommilitonen essen, und offensichtlich brauchen junge Leute nur wenige Monate, um sich auch sprachlich sicher in China zu bewegen.

Faijin Tempel
Faijin Tempel

Den letzten Tag ging es mit der Metro an den Qiantang-River, einem Jangtse- Zufluss kurz vor der Mündung in Shanghai, vielen Parks und Erholungszonen vom Century Garden, River Walk bis zum kleinen und Kaiserkanal.

Shop till you drop und Auffälligkeiten

Die Zeit verging wie im Fluge. Übrigens auch, weil wir Sportartikel-Geschäfte besuchten. Ich glaube mittlerweile kannte ich alle Shops einer deutschen Marke, denn zum Chinese New Year gab es eine Sonderedition einer schicken Jacke, auf die unsere Jungs abfuhren. Aber außer den 3XL-Größen waren alle vergriffen.

Zu kaufen gibt es übrigens an Konsumartikeln in den Kaufhäusern fast alles. Es gibt Marken, die ich noch nie gehört habe, aber ganz überwiegend westliche Brands. Diese genießen offensichtlich einen guten Ruf, haben aber auch einen satten Preis. Abgesehen von den Jacken ging es uns nur um die Souvenirs für unsere Zu Hause Gebliebenen.

Während das Preisniveau für die täglichen Dinge, von ÖPNV, Essen bis Eintritt gerade für uns Touristen sehr gnädig ist, würden Markenartikel richtig ins Geld gehen.

Besonderen Gefallen habe die Leute nach wie vor an deutschen Auto-Marken. Ich war schon lange nicht mehr in Moskau, wo das auch besonders offensichtlich war, aber in Hangzhou war die Dichte an Porsche über Mercedes Audi bis Maybach sehr bemerkenswert.

Auffällig war eben auch, dass diese schicken DE-Autos mit blauen Kennzeichen versehen waren, es sind die bekannten Verbrenner, während die besonders zahlreichen chinesischen Elektrofahrzeuge mit grünen Kennzeichen touren. Der ÖPNV bewegt sich aber leise entweder unter Tage in den zwölf Metro- Linien, mit Elektrobussen oder EV-Taxen.

Und überall flink wie die Wiesel düsen die Elektroroller und Fahrräder auf separaten Fahrspuren dazwischen – da muss man wirklich die Augen im Straßenverkehr aufhalten, und nicht auf das Smartphone schauen. Wobei, die Rollerfahrer machen beides.

Der Smog in der Großstadt ist ein Thema, und fällt besonders auf, wenn man aus den grünen Hügeln hinter dem West Lake zurück kommt. Ich hatte allerdings aus den anderen Reisen und vielen Beschreibungen eine viel krassere Situation erwartet. Da hat sich offenbar einiges in den letzten Jahren getan. Spätestens wenn man dann wieder im Flugzeug sitzt, und wir hatten auf dem Weg nach Beijing sehr gute Sicht, fallen die vielen Windräder auf, welche das Flugzeug vom Boden aus begleiten.

Was bleibt?

Wir kamen mit vollem Herzen zurück, so muss Urlaub auch sein. Als Tourist ist China uneingeschränkt empfehlenswert. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit und der Respekt stecken an, der Pragmatismus und die Effizienz motivieren, die Sauberkeit, Ordnung und Organisation lässt an bei uns vergangene Zeiten erinnern bzw. diese idealisieren. Natürlich wissen wir, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Und wir müssen wieder Lernen lernen.

Wir kommen gern wieder, und wir kommen wieder.

Über den Autor

Olaf Schulze, geboren 1963 in Halle/Saale, Studium der Staats- und Rechtswissenschaften Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, seit 20 Jahren METRO, Düsseldorf – Vice President Energy Management.

Verheiratet, vier erwachsene Kinder, Wohnort Erfurt. Slogan: Neid bekommt man geschenkt, Respekt muss man sich verdienen

Olaf Schulze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert